Junge Intensivtäter im Visier

 

QUELLE. Rheinische Post vom 04.06.2008

VON PETRA CZYPEREK 

Hilden (RP) Mit kleinen Diebstählen fängt es an: Kriminelle Karrieren starten immer früher. Und auch die Mädchen holen auf. Sie schlagen häufer zu als früher. Im Jugendhilfeausschuss legt das Jugendamt morgen die neuesten Zahlen vor.

Wenn Polizei und Jugendamt morgen im Jugendhilfeausschuss die Zahlen zur Kinder- und Jugendkriminalität vorlegen, können Politiker und Bürger aufatmen: Die Fälle, die 2007 vor dem Jugendrichter oder Staatsanwalt landeten, sind zwar mit insgesamt 567 weiterhin hoch, gingen aber im Vergleich zum Vorjahr um 62 (rund zehn Prozent) zurück. Die Zahl der Täter stieg: 383 Jugendliche (14 bis 18 Jahre) und Heranwachsende (18 bis 21 Jahre) mussten sich verantworten. 2006 waren es 373. Jutta Panke, Amtsleiterin für Jugend, Schule und Sport, schätzt die Situation als „nicht dramatisch“ ein. „Wir dürfen aber keine Entwarnung geben.“

Besonders im Visier der Behörden sind rund 50 junge Mehrfachtäter, mit mindestens drei bis zehn Verfahren. „Darum müssen wir uns kümmern“, betont Jutta Panke. Bei den Kindern bis 14 Jahren sind zehn Täter besonders aktiv. Sie wurden bei kleineren Diebstählen beispielsweise im Kaufhaus ertappt. 61 Mädchen und Jungen begingen 102 Taten. Im Vorjahr waren es 71 Kinder, die 141 Mal erwischt wurden.

Aus dem Verkehr ziehen

Besorgniserregend sei, dass die Täter immer jünger werden. Wenn Kinder schon mit elf, zwölf Jahren ihre kriminelle Karriere starteten, sei es sehr schwer, später die Notbremse zu ziehen. So wie bei einem jetzt 15-jährigen Hildener. Der Intensivtäter begann mit Schulschwänzen, kleinen Diebstählen und machte schließlich wegen schwerer Körperverletzung eine unrühmlicher Karriere. Zuletzt schockierte sein Angriff auf ein Mitglied des Jugendparlaments vor der Discothek „JWD“ die Öffentlichkeit. Der Jugendrichter, so schildert Jutta Panke den Werdegang des Jugendlichen, verhängte zwei Jahre Haft auf Bewährung. Sechs Monate davon müsse er in einem Erziehungscamp ableisten. „Bricht er ab, kommt er in den Knast“, sagt sie. Zwar lernten die Schläger und Kleinkriminellen dort nichts Gutes, sie seien jedoch erst einmal aus dem Verkehr gezogen.

Doch weil die Amtsleiterin weiß, dass kriminelle Kinder oft Eltern haben, die sich nicht kümmern, setzen Jugendamt und Gerichtshilfe auf eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei und den Schulen. „Prävention ist enorm wichtig.“ Alle Eltern der ganz jungen Straftäter bekamen einen Brief und die Möglichkeit für ein Gespräch gemeinsam mit dem Kind in der Jugendgerichtshilfe oder der Psychologischen Beratungsstelle. „Im Hildener Norden beispielsweise haben wir die Quote der jugendlichen Straftäter mit einem Projekt im Area 51 gesenkt“, berichtet Panke.

Anlaufstelle nach der Schule

Das Jugendzentrum wurde zur Anlaufstelle nach der Schule und bietet neben Mittagessen auch Freizeitmöglichkeiten an. Zwar sei die Täterzahl gleich geblieben, doch die Straftaten gingen um 50 im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Jugendhilfeausschuss, Donnerstag, 5. Juni, ab 17 Uhr im Bürgersaal des Bürgerhauses an der Mittelstraße 40.

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